AHS Aktion Humane Schule Baden- Württemberg e.V.

Archiv

 

 

Unter dem Thema  „Mehr  Herz  in der Schule“ bietet die Aktion Humane Schule eine Veranstaltungsreihe an.

 

Die Schule ist ein Ort der Beziehungen. Die Gestaltung dieser Beziehungen entscheidet über die Lebensqualität - oft auch über die Gesundheit. Die Abende bieten eine Plattform zur Information, zum Austausch und zur Unterstützung.


1. März 2018 19.30 Uhr                    Ort: KISS Stuttgart Tübinger Str. 15

5. April 2018   19.30 Uhr                      

3. Mai 2018   19.30 Uhr   

 

 Mehr HERZ Flyer.pdf Download


 

                     


 

Mehr HERZ  in der  Schule

 

Das bedeutet Raum für unbeschwertes Lernen und ein freundschaftliches Miteinander. Ein Schulalltag mit mehr Lebensmut, Lebenslust, Lebensfreude, Vertrauen und Sicherheit.

 

Unter diesem Gesichtspunkt will die AHS für eine andere Schul- und Lernkultur werben und möglichst viele Menschen und Organisationen einladen, den Alltag aus dieser Perspektive zu betrachten.

 

„Bei mir in der Klasse geht es sehr sozial zu“, sagte die Grundschullehrerin. „Da fällt mir ein kleiner Junge ein. Er war immer sehr hilfsbereit, in Deutsch und Mathe war er etwas schwach“. Auf die Frage: „Und wie ging es am Schuljahresende weiter?“ Antwort der Lehrerin: „Da ist er leider sitzengeblieben.“ Von ihrer spontanen Antwort war sie selbst betroffen.

 

Notwendig in der Schule ist die Reflektion. Was haben die Schüler fürs Leben gelernt? Lebensmut? Lebensfreude? Lebenslust? Vertrauen? Die Regeln, wie eine Gemeinschaft funktioniert? Den Umgang mit Stärkeren und Schwächeren? Der soziale Lehrplan bestimmt das Leben und Zusammenleben nachhaltig. Kränkungen und Verletzungen heilen oft nur mit therapeutischer Hilfe. Meist werden sie unbewusst an die nächste Generation weitergegeben.

Kinder imitieren alles. Auch und besonders das Verhalten der Fachkräfte in der Schule. Diese prägen die Kinder für das ganze Leben. Jeder, der mit Kindern zu tun hat, sollte sich daran erinnern, was man selbst erlebt hat und überlegen, welchen Einfluss dies positiv oder negativ bis heute hat. Daraus entsteht eine besondere Verantwortung der Fachkräfte in der Schule, in der Verwaltung und bei den Politikern.

 

Helga Hohmann

Landesvorsitzende der Aktion Humane Schule BW e.V.

im Januar 2018


 

 


 

Petition: „Bildungsaufbruch Baden-Württemberg“

 

Unser hierarchisch gegliedertes Bildungssystem ist ein Flickwerk, das historisch gewachsen ist. Nach dem II. Weltkrieg wurde es nicht in Frage gestellt. Hier stellt sich die Frage nach der Demokratie im Schulalltag. Laut Auskunft des Kultusministeriums hat es keine wissenschaftliche Grundlage. Ohne Elternförderung versagt das Bildungssystem jämmerlich. Die Hilfen, um das System zu erhalten werden immer umfangreicher. (Sozialarbeiter, Nachhilfe…).

Die Aktion Humane Schule B.W. e.V. unterstützt die Petition: 

 

„Bildungsaufbruch Baden-Württemberg“

 

„In einem Aktionsbündnis starten die baden-württembergischen Eltern nun die Petition „Bildungsaufbruch Baden-Württemberg“, die die Eltern im Land und alle anderen Bildungsinteressierten miteinander vernetzen will. Die Petition fordert mehr Transparenz über die Gestaltung der Bildungszukunft im Land und will zwei Dinge:

•       Eine gesellschaftlich breit aufgestellte "Zukunftswerkstatt Bildung

BW" als landesweiten Beteiligungsprozess. Dieser soll das Thema ins Land tragen und einen gesellschaftlichen Konsens zu Entwicklungen in der Bildung aushandeln.

•       Die Einrichtung einer entsprechenden Enquete-Kommission im

Stuttgarter Landtag. Diese ist das politisch etablierte Instrument, um komplexe Themen intensiv und fachlich fundiert zu bearbeiten. Ihre Aufgabe ist es, die vielfältigen Interessen und Blickwinkel auf das Thema Bildung zu erfassen und in eine abschließende Empfehlung zusammen zu führen.

Die Bildungspolitik im Land bedarf im Interesse aller Menschen in Baden-Württemberg eines stabilen und weithin akzeptierten Kurses, der in diesen Prozessen bestimmt werden kann.

Wir laden Sie heute ganz herzlich ein, sich an dieser Initiative für gute Schule und guten Unterricht im Land zu beteiligen!“ (Text in “ leb-bw)

 

Mehr Informationen finden Sie unter:
https://www.openpetition.de/petition/online/zukunftswerkstatt-bildung-baden-wuerttemberg-und-enquete-kommission-aufbruch-bildung-im-landtag

 

Hier ist der Direktlink zur Petition: https://goo.gl/VeisYe

Den Wortlaut der Pressemitteilung finden Sie hier:  http://www.leb-bw.de/

 

im Januar 2018


 

Die neue Humane Schule Zeitschrift - Dezember 2018 mit dem Thema “Das digitale Klassenzimmer” ist erschienen.

 

  

Zur Bestellung der Zeitschrift für nur 4,- Euro und weiteren nützlichen Informationsmaterial geht es hier>>>

 


 

Einladung zur Mitgliederversammlung der Aktion Humane Schule Baden Württemberg e.V.

  

Am 18.11.2017 von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr, findet bei "Kiss", Tübingerstrasse 15 in Stuttgart unsere jährliche Mitgliederversammlung statt.

pdf einladung


September 2017


Liebe Freundinnen und Freunde der Aktion Humane Schule,

ich habe die traurige Pflicht, euch vom Ableben unseres Ehrenmitglieds Volkmar Sieh in Kenntnis zu setzen.

Der beiligende Nachruf würdigt Volkmar als einen unserer Engagiertesten und Treuesten.

Er wurde am Freitag (22.09.2017) in Flensburg beigesetzt.

 

Es grüßt, Jonas Lanig

 

 

 


Einladung zur Mitgliederversammlung der Aktion Humane Schule Baden Württemberg e.V.

 

Am 17.11.2016 von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr, findet bei "Kiss", Tübingerstrasse 15 in Stuttgart unsere jährliche Mitgliederversammlung statt.

 


Die neue Humane Schule Zeitschrift - Mai 2016 mit dem Thema “Langsamer ist schneller - Wege aus dem Burnout” ist erschienen.

Zur Leseprobe geht es hier: >>>

 

  

2016-Mai Cover

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Zur Bestellung der Zeitschrift für nur 4,- Euro und weiteren nützlichen Informationsmaterial geht es hier>>>


 

Demokratie muss schon in Kindergarten und Schule eingeübt werden!

 

An der Wahlbeteiligung zum Jugendgemeinderat lässt sich ablesen, wie gut der Schule die Erziehung zu demokratischen Werten gelingt. Eine Wahlbeteiligung von unter 30% sollte alle Beteiligten aufschrecken – allen voran die Schule, die Sozialarbeit und das Elternhaus.

Dass Demokratie die wohlwollende und friedliche Befriedigung von Bedürfnissen und die positive Gestaltung von Beziehungen einschließt – das können Kinder und Jugendliche nur in ihrem Alltag lernen. Dort, wo die Grundwerte einer demokratischen Teilhabe im Alltag nicht eingeübt werden, herrschen Willkür und Gewalt in allen ihren bedrohlichen Schattierungen: Von Vandalismus und Mobbing bis zum Amoklauf, von Familienzwist und Scheidung bis zur Familientragödie.

Den Demokraten in der Weimarer Republik war bewusst, dass man auf der pädagogischen Praxis der Kaiserzeit keine Demokratie aufbauen kann. Die „schwarze Pädagogik“ diente dem Personenkult und den Wachstumsgelüsten des Kaisers, indem sie den Kindern ihre Lebendigkeit, ihren Eigensinn, ihre Neugier und ihr Vertrauen in die Mitmenschen und die eigene Selbständigkeit austreiben wollte. Die Menschenfeindlichkeit, die daraus entsteht, glaubte man in die Aggression gegenüber anderen Völkern umlenken zu können.

Die pädagogische Reformbewegung der Weimarer Zeit wurde von Hitler abgewürgt. Das menschenfeindliche Schulsystem der Kaiserzeit aber wird bis heute von dessen Profiteuren verteidigt.

Die „schwarze Pädagogik“ arbeitet mit der Angst vor Fehlern und dem Verlangen nach Anerkennung. Die Natur hat dem Neugeborenen ein inneres Belohnungssystem mitgegeben: Es lernt Gehen und Sprechen ohne Strafandrohung und ohne Urkunde. Was es braucht, sind Aufgaben, an denen es wachsen kann, eine Gemeinschaft, die Sicherheit gibt, und Vorbilder, an denen es sich orientieren kann.

Wer auf eine geringe Wahlbeteiligung spekuliert oder sich in die Zeiten von Diktatur und Kaiserreich zurücksehnt, kann alles beim Alten belassen. Wer eine Demokratie will, muss sich dafür einsetzen, dass Kinder die Spielregeln einer demokratischen Kultur schon im Kindergarten und in der Schule erlernen.

 

Herzliche Grüsse,

Helga Hohmann

 

Gedanken zur Jugendgemeinderatswahlbeteiligung im Frühjahr 2015

 


 

 

 

Im Dezember ist unsere Zeitung „Die Not mit den Noten“ erschienen.

 

 

 

„Morgen komme ich nicht in die Schule. Ich bin auf den Test nicht vorbereitet und wenn ich den verhaue, dann kann ich meine eins vergessen.“ Das erzählte eine Schülerin im Bus ihrer Freundin. Muss man das Lernen so organisieren, geht es nicht ehrlicher?

Unsere Notengebung ist menschenfeindlich, weil sie Verlierer und einen Lernstoff braucht, den man abprüfen kann. Sie macht den Kampf im Haifischbecken salonfähig, weckt die Sucht nach Anerkennung und die Angst vor Fehlern. Sie stresst die Kinder, indem sie ihr angeborenes Lernsystem unterdrückt und das Ausweichen fördert.

Wer die Lebendigkeit und die Neugier von Kindern erhalten will, der muss sich dafür einsetzen, dass die Noten als Druck und Machtmittel abgeschafft werden und die Kinder sich als Bereicherung erleben können.

Mehr zum Thema erfahren sie in unserer Zeitschrift, Thema: "Die Not mit den Noten" 

 

 

 


 

Einladung zur Mitgliederversammlung der Aktion Humane Schule Baden Württemberg e.V.

 

Am 25.10.2014 von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr, findet bei "Kiss", Tübingerstrasse 15 in Stuttgart unsere jährliche Mitgliederversammlung statt.

Die offizielle Einladung erfolgt schriftlich.

14.09.2014


 

Einladung zur Bundesklausurtagung

 

Herzliche Einladung zur Herbst- Klausur des AHS- Bundesverbandes vom 10.- 12. Oktober 2014  in Eschau/ Unterfranken.

 

Thema: SCHULE OHNE NOTEN - GEHT DAS?

 

Weiter Informationen finden sie hier: Aktion Humane Schule e.V.

 


 

Unsere neue Zeitschrift zum Thema "Druck in der Schule",

Ausgabe Mai 2014 ist erschienen.... 

 

 

 

Hier noch mal das Cover und die zweite Seite als download: Ausgabe Mai 2014

 


 

Neujahrsgedanken von Helga Hohmann

 

Im Januar 2014

  

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Aktion Humane Schule!


Allen, die die Aktion Humane Schule Baden Württemberg und mich im letzten Jahr unterstützt haben, möchte ich danke sagen. Es war ein Jahr der Gespräche mit Mitgliedern, Ärzten, Eltern, Erzieherinnen, Großeltern, dem Jugendamtsmitarbeiter, LehrerInnen, Schulleitern, dem Schulrat, Sozialarbeitern, Politikern und ..

Viele Gespräche haben die Frage aufgeworfen:

Was muss geschehen, damit eine kindgerechte Sichtweise als Bereicherung erlebt wird und keine Abwehr auslöst?

 

Ein Beispiel ist die Diskussion über die richtige Rechtschreibmethode. Fachleute und Laien streiten seit Jahrzehnten über die richtige Methode (Anlaut-Tabelle, Lesefibel, ganzheitliche Ansätze usw.). Ein Ende des Streites und die Klagen über unfähige Schüler ist nicht in Sicht.

 

Die Praxis zeigt, nicht die Fachleute und Eltern entscheiden über die richtige Methode, sondern die Kinder. Wenn ein Kind mit der Fibel das Lesen nicht lernt, dann ist es für dieses Kind der falsche Ansatz, und wenn ein Kind mit der Anlaut-Tabelle nicht zurecht kommt, weil es z.B. Probleme mit dem Hören hat, dann braucht es einen anderen Lernweg.

 

Methodenvielfalt während der Unterrichtszeit ist die Lösung. Viele Menschen, die mit dem Frontalunterricht groß geworden sind, können sich Methodenvielfalt im Klassenzimmer nicht vorstellen. Das Nicht Begreifen wird immer noch mit Dummheit gleichgesetzt. „Man kann doch nicht für jedes Kind eine extra Wurst braten!“ Doch man muss! Wenn man Kindern die Freude am Lesen und Schreiben vermitteln und die Leistungsfreude steigern will.

Wenn alle Kinder während der Unterrichtszeit mit einer zu ihnen passenden Methode Lesen und Schreiben lernen sollen, dann gibt es viele Herausforderungen, die gelöst werden wollen:

 

Wie können LehrerInnen, die in der Ausbildung nicht auf die Methodenvielfalt vorbereitet wurden, diese anbieten? Was geschieht mit den Menschen, deren Existenzgrundlage die Nachhilfe ist? Werden sie arbeitslos? Kann man sie in den Schulunterricht integrieren? Wie verbringt ein Kind die Zeit, wenn die Nachhilfestunde wegfällt? Wie geht es einem Kind, das die Einzelzuwendung im Nachhilfeunterricht verliert? Was beruhigt Eltern, die sich Vorteile für ihr Kind von der Nachhilfe versprechen?

 

Das Lesen und Schreiben lernen ist nur ein Beispiel und es löst schon so viele Verunsicherungen bei den betroffenen Erwachsenen aus. Kein Wunder, dass Veränderungen so mühsam sind.

 

Für Veränderungen zu werben und die Lehrerinnen und Lehrer zu stärken, die schon einen individuellen Unterricht praktizieren, ist das Ziel der AHS im neuen Jahr.


Ich wünsche Allen Gesundheit, viel Glück und alles Gute für das Jahr 2014.


Herzliche Grüße

Helga Hohmann

 

 

Die Gedanken zum Neuen Jahr downloaden.... AHS Neujahrsbrief_PDF

 


 

Der Weihnachtsbrief des Bundesverbands der Aktion Humane Schule

 

Liebe Mitglieder und Freunde der Aktion Humane Schule, hier finden Sie den diesjährigen Weihnachtsbrief (PDF) der Aktion Humane Schule e.V. 

Thomas Träbert Bundesgeschäftsstelle

24.12.2013


 

 

 

Die Herbstausgabe der "Humane Schule" ist erschienen!

Zum Thema: Was prägt uns während der Schulzeit?

 

 

Es sind die Beziehungen. Die Beziehungserfahrungen entscheiden, ob wir eine gefestigte Persönlichkeit  werden und erfolgreich durchs Leben gehen. Der Lernstoff, der emotionslos auswendig gelernt wird, bleibt nicht 'hängen'. Trotzdem wird ihm so viel Zeit gewidmet, dass für Beziehungen und Persönlichkeitsentwicklung nur sehr wenig Zeit bleibt.

Ein Gymnasiast meinte:

„Leistung auf dem Gymnasium läuft darauf hinaus, dass man hauptsächlich sein Kurzzeitgedächtnis trainiert und sich mit den Regularien etwas auskennt.  Anspruchsvoller wäre es, wenn verlangt wird, dass man eine eigene Persönlichkeit ausbildet.“ Und: „Wir haben nicht einmal gemerkt, dass wir einen Klassenkameraden gemobbt haben. Erst als er sich besoffen hat und aggressiv wurde, kam heraus, wie sehr ihn unsere Frotzeleien verletzt haben.“

Wenn die Gesellschaft will, dass Kinder lernen, wie man positive Beziehungen gestalten und aufbauen kann, dann braucht die Schule mehr Zeit für Beziehungen und eine Lehrerausbildung, in der Beziehungsdidaktik den gleichen Stellenwert hat wie das Unterrichten.  Ohne Zeit keine Beziehung.

Diese "beziehungslose" Situation wollten LehrerInnen einer Schule nicht mehr hinnehmen. Sie organisierten die Schulstunden um. Heraus kamen zehn Minuten persönliche Zeit pro Woche für jede/n Schüler/in. Diese Maßnahme veränderte das Schüler-Lehrerverhältnis enorm. Es wurde entspannter, vertrauensvoller und viele Probleme können nun bereits im Vorfeld gelöst werden.

Das Thema ist sehr wichtig und wird in der Herbstausgabe der "Humanen Schule" mit dem Titel "Miteinander   – Lernen braucht Beziehung“ behandelt. Besonders weisen wir hier auf die "Zehn Appelle eines 'Problemjugendlichen' an seine Lehrkräfte" hin.

Das Heft  kann bei der Bundesgeschäftsstelle der AHS für 4,- € bestellt werden.

 

(Bestelladresse:  Aktion Humane Schule, Bundesgeschäftsstelle, Rathausplatz 8, 53859 Niederkassel)

 

28.10.2013


 

Die AHS ist im Netzwerk "in einer Schule gemeinsam Lernen".  

Am 28.01.2013 war das letzte Netzwerktreffen.

Mehr zum Netzwerk: http://www.in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw.de

Danach fand am 06.02.2013 die Landespressekonferenz des Netzwerks statt. In dieser Pressekonferenz äußerte sich das Netzwerk zur Umsetzung der Inklusion und des gemeinsamen Lernens in Baden-Württemberg.

Hier noch die Netzwerk-Thesen zur Bildungspolitik vom 06.02.2013 als Download.

 

Die Gemeinschaftsschule ermöglicht:

  • Eine ganzheitliche Bildung mit Herz, Kopf und Hand. Die Gestaltung von Beziehungen ist ein zentrales Anliegen.

  • Andersartigkeit im Alltag als Bereicherung zu erleben, also Vorbeugung gegen Ausländerfeindlichkeit, Extremismus und Rassismus 

  • Individuelles Lernen, das Eigenverantwortung, Selbstkontrolle, Selbständigkeit und das Lernen miteinander und voneinander in den Mittelpunkt stellt. Lernen im Unterricht anstatt in der Nachhilfe

  • Die Motivation durch den eigenen Erfolg (wie bei den Babies) und nicht durch Konkurrenz, Eifersucht und Neid

  • Eine gute Basis für eine Wirtschaft mit vielen Fachleuten und Spezialisten, die auf zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Respekt, Fairness, Verständnis und Wohlwollen angewiesen ist.

Die Gemeinschaftsschule entspricht dem Prinzip der christlichen Nächstenliebe. „Dienet einander mit den Gaben, die ihr empfangen habt“. Deshalb ist es mir schleierhaft, warum von Menschen, die sich der christlichen Kultur verbunden fühlen, so viel Ablehnung ausgeht?

Die Gehirnforschung befürwortet das Konzept der Gemeinschaftsschule. Ist das Elitegefühl wichtiger als das Wohl der Kinder?

 

Helga Hohmann

Landesvorsitzende der Aktion Humane Schule BW e.V.

Korb, der 07.02.2013


 

Neujahrsgedanken von Helga Hohmann

 

Januar 2013 

Liebe Mitglieder und Freunde der Aktion Humane, 

für das neue Jahr wünsche ich Ihnen und ihrer Familie ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr 2013. 

 

Ein Jahr mit Veränderungen liegt hinter uns. Im Juni übernahm ich den Vorsitz von Dr. Hans-Peter Waldrich. Wenige Wochen später verstarb unsere Schatzmeisterin Gudrun Pfitzer und im November übernahm Kathrin Schütt die Pflege der Homepage von Matthias Brunner. 

Seit über 20 Jahren engagiere ich mich für die AHS. Ihre Forderung, sich am Kind zu orientieren, ist notwendiger denn je. 

Mobbing, Komasaufen, Vandalismus, Amoklauf und tödlicher Messerstich sind Reaktionen auf eine Erziehung, die nicht zur Eigenverantwortung, Selbständigkeit und einem guten Miteinander geführt haben. 

Es ist an der Zeit, dass diese schockierenden Reaktionen unserer Kinder in der Öffentlichkeit als Beziehungsstörungen, Überlebensstrategien oder mangelnde Herzensbildung wahrgenommen werden. 

Die AHS legt ihren Schwerpunkt auf die Frage: Welche Beziehungsmuster und Überlebensstrategien vermittelt die Schule? Stehen Selbständigkeit, Eigenverantwortung und das Miteinander im Mittelpunkt, oder die reine Wissensvermittlung? Bedeutet Bildung das Lernen mit Hand, Herz und Kopf oder ist das verkopfte Lernen erstrebenswert und elitär? 

Der Einfluss auf die Politik wird mitentscheiden, wie die Bildungslandschaft in Zukunft aussehen wird und welche Schwerpunkte in der Lehrerausbildung und Fortbildung gesetzt werden. 

Die AHS blickt positiv in die Zukunft. Sie verstärkt in diesem Jahr den Austausch mit Eltern, Elternvertretungen, LehrerInnen und ihren Vertretungen, Politikern, Verbänden sowie den Kontakt zu Schülern. Der Arbeitskreis in Stuttgart will aktiver werden und freut sich über neue Mitglieder. Behilflich ist die AHS bei der Gründung von neuen Arbeitskreisen, der Vermittlung von Referenten für Veranstaltungen und sonstigen Fragen zur Schule. Am 16. Januar ist die nächste Vorstandssitzung. Über Anregungen freuen wir uns. 

Mischen wir uns verstärkt ein, damit alle Kinder Anspruch auf eine ganzheitliche Bildung bekommen und in der Schule Überlebensstrategien lernen, die ein friedliches Miteinander ermöglichen. 

Mit den besten Wünschen für das Neue Jahr 2013

Helga Hohmann

 


 

09.12.2012

Verschieden sind wir sowiso, das ist der Themenschwerpunkt des Novemberheftes der "Humane Schule" S.11 Eine Schule für Alle von Elmar Pickelmann

 

EINE Schule für ALLE !

„Jeder soll sich mit seinen Stärken und Schwächen angenommen, aber auch gefördert erleben."

Auf der Suche nach einem Land, das unsere Vorstellungen von Schule in die Praxis umgesetzt hat, haben wir – sozusagen vor unserer Haustür – die deutschen Schulen in Südtirol entdeckt. Vom 3.-4. November 2011 besuchte eine Delegation der GEW des Kreisverbands Nürnberg das Deutsche Pädagogische Institut in Bozen und den Schulsprengel Leifers bei Bozen.

Alle Schüler bleiben bis zur 8. Klasse beisammen. Der anschließende Besuch der 5jährigen Oberschule hängt nur vom Bestehen der Abschlussprüfung der 8. Klasse, nicht von den erzielten Bewertungen ab. Schüler und Eltern können sich aber auch für eine Vollzeitfachschule oder eine Ausbildung im dualen System in einem Betrieb plus Berufsschule entscheiden. Aus jedem Zweig kann man den Hochschulzugang erreichen.

Im Südtiroler Schulsystem gibt es keine Sonderschulen mehr. Jedes Kind mit „besonderen Bedürfnissen" wird nach einer freiwillig erfolgten Funktionsdiagnose zusammen mit den anderen Schülern unterrichtet und durch individuelle Förderpläne, Fördermaßnahmen und speziell ausgebildete Lehrer, die mit dem Klassenlehrer im Team arbeiten, unterstützt. „Ich bin stolz in einem Land zu leben, wo Schüler mit Behinderung von ihren normalen Mitschülern lernen und umgekehrt.", heißt es in Südtirol.

Das Bewertungssystem geht von der Individualität jedes Kindes aus und versucht, Angebote und Anforderungen an diese anzupassen. Eine vermeintlich objektive allgemeine Bewertung gibt es demzufolge nicht.

Südtirol lässt sich gute Lernbedingungen etwas kosten: Lehrer-Schüler-Relation 1:8, keine Klasse über 25, durchaus auch Klassen mit nur 8 Kindern, in einer Klasse mit behinderten Kindern Obergrenze 20 Schüler und nicht mehr als höchstens 4 Kinder mit Behinderung, offener Unterricht mit entsprechenden Lernmaterialien, altersgemischte Gruppen, moderne, anregende Lern-umgebung, Anleitung zu selbständigem Lernen, Ermutigung – nicht Angst, Entwicklung der fachlichen und sozialen Fähigkeiten als gleich wichtig angesehen.

Die Lehrkräfte bekommen Planungs- und Teamzeiten auf ihre Arbeitszeit angerechnet. Ein reiches Fortbildungsangebot steht ihnen zur Verfügung, kostenlose Supervision wird angeboten. Allerdings liegt ihre Bezahlung nicht so hoch wie die der Lehrer in Deutschland.

Was macht die Südtiroler Schulen so erfolgreich? Bei PISA 2003 erreichten sie im Leseverstehen und in Mathematik und Naturwissenschaften finnische Werte! Viele Elemente tragen zum Erfolg bei, aber wesentlich erscheint doch eine Schulkultur, die das einzelne Kind achtet, seine Persönlichkeit wertschätzt und die Stärken des einzelnen fördert. Zum Lernen wird ermutigt, nicht durch negative Rückmeldungen Angst gemacht.

AHS Praxistipp: Index für Inklusion: www.inklusionspaedagogik.de mehr dazu im Novemberheft 2012. Zu bestellen über: info@ahs-bw.de

 

 


24.06.2012

Unsere Mitgründerin, jahrelange Vorsitzende, Schatzmeisterin und Geschäftsführerin, Gudrun Pfitzer, verstarb am Sonntag, den 24. Juni 2012.

 

 

Wir trauern um sie und sind dankbar für alles, was sie geleistet hat.
 
—   ein Nachruf unserer Landesvorsitzenden, Helga Hohmann (PDF, 23 kB) 

und unseres Bundesvorsitzenden, Detlef Träbert(PDF, 35 kB)  —


09.06.2012

 Wir begrüßen Helga Hohmann als neue Landesvorsitzende der

 Aktion Humane Schule Baden-Württemberg e.V

 

 
Dr. Hans-Peter Waldrich danken wir für seine Arbeit und sein Engagement als ehemaliger Landesvorsitzender und wünschen ihm für seine künftigen Projekte

viel Freude, Kraft und Erfolg.
 
 presseerklärung von Helga Hohmann als neue Landesvorsitzende   —

 



30 Jahre Aktion Humane Schule in Baden-Württemberg

– Anlass zum Feiern!?


Es ist eine kleine Runde. Die letzten Aktiven der AHS Baden-Württemberg haben sich zum 30. Geburtstag zusammengefunden und blicken auf ihre Arbeit zurück.
Mit viel Enthusiasmus und großen Zielen waren sie am 20. März 1982 als Landesverband gestartet. An seiner Spitze stand Professor Leibrecht, selbst Lehrer und Vater. Sie wollten in den Köpfen von Politikern, Eltern und Lehrern Veränderungen anstoßen, Wege ebnen, die für alle Beteiligten, vor allem die Kinder im Land, und auch für die Gesellschaft zu einer Humanisierung der Schule führen sollten. Dass Schule 1982 nicht human war, zeigten so dramatische Ereignisse wie der Selbstmord eines sehr guten Schülers, der wegen der knappen Verfehlung eines Numerus Klausus um 1/10 nur noch diesen Ausweg sah. Wenngleich die statistische Zahl der Selbstmorde in 30 Jahren nicht auffallend zu Buche schlägt, so ist es doch die Gesamtzahl der durch eine inhumane Schule gebeutelten Schüler. Die Zahl psychosomatischer Erkrankungen der Kinder und Jugendlichen ist alarmierend, Stresssymptome wie Aggression und Nervosität, die sich u.a. durch abgekaute Fingernägel zeigt, kommen in allen Klassenstufen in allen Schulen reichlich vor. Ganz zu schweigen von der Menge vergossener Tränen in den Familien, die wegen schlechter Noten, nicht verstandener Aufgaben, ungerechter Bewertung und Demütigung durch achtlose Kommentare von Lehrern und Mitschülern vergossen wurden und werden.
Die nunmehr dritte Generation seit Gründung der AHS versucht in einem Schulsystem zu funktionieren, das sich in seiner Gesamtheit menschenfeindlich zeigt, den Wert des einzelnen Menschen, Kind und Erwachsener, nicht in den Vordergrund rückt und nicht als Ausgangspunkt pädagogischen Handelns wählt.

Keinen Stress mehr durch subjektiv dominierte Vergabe von Noten als Ziffern, mehr Zeit für Gespräche und individuelle Zuwendung zum einzelnen Kind, echte Kooperation zwischen Lehrern und Eltern sollten Alltag in allen Schulen werden, so das Ziel der Aktiven in 30 Jahren ehrenamtlicher Arbeit.

Die Forderungen der immer größer werdenden Gruppe wurden durch unzählige Vorträge im ganzen Land, die ausdauernde Suche nach Gesprächspartnern vor Ort, die Treffen mit Entscheidungsträgern der Politik, der Schulämter, der schulnahen Organisationen und der Verbreitung von Informationsmaterialien sowie einer eigenen Zeitschrift auf den Weg gebracht.
Es waren 3 Jahrzehnte Sisyphosarbeit. Elternrunden, Schulbesuche, Telefonberatung, Tagungen, Bücher und Broschüren wurden initiiert und erarbeitet.
Dialoge wurden geführt und das Gefühl, Gehör zu finden und Bewusstseinsprozesse anzustoßen, entstand. In vielen Einzelfällen konnte den Kindern und ihren Familien ein humanerer Weg durch den Dschungel des auslesenden Schulsystems in Baden-Württemberg geebnet werden. Konflikte konnten gemildert oder gelöst werden, aus Kampfhähnen wurden Zuhörende. Viele elterliche und pädagogische Herzen regten sich für humane Bedingungen in unseren Schulen. Lehrer veränderten ihren Unterricht und wurden achtsamer, Eltern blickten auf ihre Kinder mit der Wahrnehmung von Entwicklung und nicht von Karrierebiografien.
Doch was hat sich im Großen verändert in 30 Jahren aktiver Arbeit?

Unsere Schulen scheinen inhumaner denn je zu sein. Der große Wurf mit Veränderung für die Kinder ist nicht gelungen. Unsere Schulen lassen zu, dass Kinder traurig sind, weil Schule sie nicht wahrnimmt, wie sie sind, weil sie nicht Kinder sein dürfen, sondern funktionieren sollen. Unsere Schulen haben Pläne, die von Erwachsenen durchgesetzt werden und Kinder nicht mitnehmen. Unsere Schulen finden sich damit ab, dass die ureigenen Aufgaben Erziehung und Bildung in Zusammenarbeit mit den Eltern von einem Markt an Psychotherapeuten, Lerntherapeuten und Scharlatanen übernommen werden, die wissen, wie sie aufgrund der Mängel in Schulen Profit machen können. Eltern investieren Unmengen an Zeit und Geld, um Hausaufgaben zu erledigen oder ihren Kindern jene Lernangebote zukommen zu lassen, die Schule aus dem vermeintlichen Zeitmangel oder der fehlenden Zahl qualifizierter Lehrer nicht anbieten kann, aber in Prüfungen erwartet.
Bessere Chancen sollen die Kinder haben, nicht ausgelesen zu werden. Die Angst, dass das Kind nicht erfolgreich sein kann, hat in Elternhäusern zugenommen. Lehrer sollen reparieren, was nicht funktioniert. Mütter streiten und weinen mit ihren Kindern wegen verpatzter Arbeiten, die trotz des intensiven Familientrainings am Wochenende nicht den erwarteten Erfolg gebracht hat. – Alle machen mit und das auf Kosten der Kinder, die als künftige Generation einmal unsere Probleme lösen, uns liebevoll und kompetent pflegen soll.

Anerkennung und Wertschätzung für Lernprozesse und Entwicklung existieren im Verhältnis zur bezifferten Auswertung von Lernergebnissen kaum. „Das war mal wieder nichts!“ – der Spruch, der schon unsere Großeltern in Schulen erzittern ließ, ist noch heute in Klassenzimmern zu hören. Lehrer, die gegen den Mainstream schwimmen wollen, Kindern Raum und Zeit und Anerkennung einräumen, werden von vielen Kollegen verlacht. Teamarbeit unter Lehrern – in der größeren Anzahl aller Schularten in Baden-Württemberg Fehlanzeige. Einzelkämpfertum und Leistungsdruck auch für Lehrer sind Alltag. Aus Angst, dass ihre Kinder die heißersehnte Rolle in der Gesellschaft verpassen könnten, setzen Eltern ihre Kinder unter Druck, verweigern ihnen die zur Erholung notwendige Freizeit, füllen sie mit Lernstudio- und Sommercampzeiten, um zu kompensieren, was Schule nicht schafft, nicht schaffen kann und gehen auf den vermeintlich unfähigen Lehrer los, der ihr Kind mal wieder falsch bewertet hat.
Alle leben in der Angst zu versagen und geben diese schon früh an die Schützlinge weiter. Bereits Grundschüler können schon sehr genau benennen, „was ihnen nicht liegt“ und in dieser Gewissheit lassen sie sich dann lieber gar nicht erst auf komplizierte Fragestellungen aus Mathematik oder Naturwissenschaften ein, wenn sie nicht für die nächste Klassenarbeit zwingend erlernt werden müssen. Vermeiden anstatt sich herauszufordern ist das überlebensprinzip der Mehrheit der Schüler unserer Schulen, die für die Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts ausbilden wollen.

Und was tun die Aktivisten der Aktion Humane Schule Baden-Württemberg angesichts der Tatsachen, die sie zur Kenntnis nehmen müssen?
„Wir werden mehr denn je gebraucht. Wir sind das mahnende Gewissen, der Stein des Anstoßes in einer Gesellschaft, die die Bedürfnisse von Kindern und Lehrern gleichermaßen missachtet. Wie sind weit davon entfernt, über eine humane Schule in Baden-Württemberg zu sprechen“, zogen die Aktiven mit ihrem Landesvorsitzenden Hans-Peter Waldrich Bilanz. „Es gibt weiterhin viel zu tun, bis wir in unseren Schulen eine Atmosphäre haben werden, in der das Lächeln vom Betreten des Hauses bis zum Verlassen am Nachmittag in allen Gesichtern zur Normalität geworden sein wird.“ Das Lächeln, das zeigt: Ich bin gern hier und ich freue mich auf morgen.

Anlass zum Feiern in der Landeshauptstadt Stuttgart besteht nicht. Doch sie haben einiges bewegt. Ohne sie, die AHS’ler, hätte sich an vielen Orten gar nichts bewegt, wären noch mehr Familien verzweifelt gewesen, hätten keine Hilfe erhalten.
Ans Aufhören, weil die Zahl der Aktiven klein geworden ist, denkt die Gruppe aus Eltern, Psychologen und Pädagogen nicht. Sie sind sich einig darin, dass es wichtig und notwenig ist, um jedes Kind zu kämpfen, das unsere Schulen besucht. Jedes Kind hat das Recht, ein Kind zu sein – auch in der Schule! Und wenn wir unsere Schulen humaner werden lassen, dann wird es auch unsere Gesellschaft sein. Grund genug, sich dafür aktiv einzusetzen und die Stimme weiterhin zu erheben.

Dossenheim, im März 2012

Signe Brunner-Orawsky
Schulleitung der Freien Schule LernZeitRäume in Dossenheim
Tel. (Schule): 06221/868 2020


Signe Brunner-Orawsky war von 2002 bis 2008 Landesvorsitzende der AHS Baden-Württemberg und ist seit 2006 als Schulleitung der Freien Schule LernZeitRäume  in Dossenheim tätig, die sie als Gründerin auf den Weg gebracht hat.

 

Über das  arbeiten wir mit beim
 

 
Positionspapier für gewaltfreie Schulen (PDF)         Vorstellung des Bildungsnetzes (PDF)


Frühkindliche Bildung

offener brief an Frau Prof. Dr. Schick zum Forum „Frühkindliche Bildung“ vom 8. Juni 2010 (PDF, 125 kB) Petra Hoja Vorsitzende Schule mit Zukunft , Dr. Hans-Peter Waldrich; 1. Vorsitzender Aktion Humane Schule


vom Juni 2010
Demokratische Schulen sind die beste Prävention gegen Schulamokläufe und Schulgewalt Thesen:
1. Schulamokläufe sind keine Taten geisteskranker Sonderlinge. Sie entstehen nachvollziehbar aus Bedingungen, die auch auf viele andere Jugendliche einwirken und sie gefährden. Das Thema Schulamoklauf kann daher nicht dadurch erledigt werden, dass man es an die Psychiatrie abgibt.

Durch das 2009 erschienene Buch des amerikanischen Psychologen Peter Langman „Amok im Kopf“ ist die populäre Vorstellung verstärkt worden, Schulamokläufer seien Psychotiker oder Psychopathen. Diese These widerspricht jedoch sämtlichen Ergebnissen der bisherigen Forschung. Eine Vielzahl von Studien belegt dagegen, dass Schulamokläufer in der Regel nicht „geisteskrank“ sind. Es handelt sich um geschädigte, neurotische Jugendliche, die sich in einer seelischen Ausnahmesituation befinden. Sind Schulamokläufer also keine extrem abnorme Persönlichkeiten, genügt es nicht, sie aufzuspüren und zu isolieren, um ansonsten alles beim Alten zu lassen.
Denn die Ursachen für Schulamokläufe sind durchaus nachvollziehbar. Sie liegen in einer Reihe familiärer, gesellschaftlicher und schulischer Bedingungen, die ungünstig auf einen Jugendlichen wirken, der sich in einer seelischen Extremsituation befindet. Solche Jugendliche gibt es viele, auch wenn es dabei nicht zu Schulamokläufen kommt. Schulamokläufe erwachsen aus den gleichen gesellschaftlichen und schulischen Ursachen, die auch andere Gewalthandlungen von Jugendlichen und Schülern begünstigen. Daher sollte Schulamokläufen mit den gleichen Mitteln vorgebeugt werden, die sich auch bei der allgemeinen Gewaltprävention bewährt haben.

2. Die Schule muss ihren eigenen Anteil an der Erzeugung von Schülergewalt eingestehen und damit auch ihre Mitschuld an Schulamokläufen.
Schulen üben institutionellen Druck auf ihre Schüler aus, den man als „strukturelle Gewalt“ bezeichnet hat. Jedenfalls zeigen empirische Studien, dass herkömmliche Schulen gewaltförmiges Handeln bei Schülern in mancher Hinsicht begünstigen. Das heißt nicht, dass Schulen alleine ursächlich sind für die Ausübung von Gewalt durch Schüler. Schulen sind jedoch in der Regel so gestaltet, dass einige ihrer Strukturen und Abläufe die Gewaltneigung von Schülern verstärken. Viele dieser Faktoren gehören zu gesetzlich festgeschriebenen Verfahrenszwängen (z. B. die Erteilung von Ziffernnoten) und können von den Schulen selbst nicht maßgeblich verändert werden.
Schulen sollten dagegen so gestaltet sein, dass vorhandene Dispositionen zur Ausübung von Gewalt nicht verstärkt, sondern abgeschwächt werden. Das heißt:

• Keine Selektion und Auslese!
Besonders zu vermeiden sind Maßnahmen der Ausgrenzung. Schulamokläufe zeigen, dass das Gefühl ausgegrenzt zu sein, Wut und Gewalt hervorrufen kann.

• Keine Kränkung und Beschämung!
Das betrifft auch Prozeduren, die in der Regelschule als selbstverständlich gelten, wie die Erteilung von Ziffernnoten oder das Sitzenbleiben.

• Kein Rivalisieren um „Erfolg“ und „Leistung“!
Die Fixierung auf den Notenerfolg fördert ein falsches Leistungsverständnis. Es reizt Schüler, die sich durch Noten abgewertet fühlen, „Erfolge“ mittels Gewaltausübung zu suchen. Außerdem zerstört es das Miteinander der am Schulleben Beteiligten.

• Kein Lernen im Gleichschritt!
Jeder Mensch lernt anders, altersgleiche Jugendliche befinden sich auf ganz verschiedenen Entwicklungsniveaus. Werden sie zum Gleichschritt gezwungen, schafft das Ausgrenzungserlebnisse und dadurch Aggression.

• Kein Häppchenlernen von Stoffen, die als sinnlos empfunden werden!
Junge Menschen leiden zunehmend unter Gefühlen der Sinnleere und der Zukunftsangst. Art und Inhalte des schulischen Lernens verstärken oft dieses Erleben. Für diesen Mangel suchen Schüler Ersatz, u. a. in aggressiven Medienangeboten.

• Keine Ignorierung der Lebensumwelt, aus der Schüler kommen!
Schulen sind keinen Paukanstalten, sondern Erfahrungsräume. In ihnen muss sich der ganze Mensch einbringen können. Die Alltagswelt von Schülern darf daher nicht übergangen werden (z. B. deren Mediennutzung). Auch die seelischen Probleme von Jugendlichen dürfen nicht ausgeblendet werden.

Aber:
• Systematische Stärkung des Selbstwertempfindens von Schülern.
• Anerkennung und Wertschätzung als Mittelpunkt des pädagogischen Geschehens.
• Individuelle Förderung aufgrund der persönlichen Voraussetzungen und Befähigungen jedes Einzelnen.
• Zeit für Kommunikation und Begegnung.
• Statt Rivalität gelebte Kooperation und Solidarität.
• Aufnahme der alltäglichen Erfahrungen der Schüler in den pädagogischen Raum.
• Vermittlung von Sinnerleben und Wertorientierung durch echte Schulkultur.

3. Gewaltprävention darf nicht alleine den Lehrern und Schulen aufgebürdet werden.
Innerhalb der gegebenen Strukturen sind die Handlungsmöglichkeiten der Lehrer und selbst der Schulleitung eng begrenzt. Daher muss die Politik im Rahmen einer generellen Schulreform die notwendigen Änderungen gesetzlich ermöglichen. Der Abbau „institutioneller Gewalt“ an Schulen muss „von oben“ her ermöglicht werden, zum Beispiel durch Reduzierung des dienstlichen Zwangs, junge Menschen ständig bewerten und kategorisieren zu müssen. Stoffdruck und Zeithetze müssen abgebaut werden. Den Lehrern muss Zeit gegeben werden, sich den Schülern zuzuwenden. Zudem benötigen die Schulen Unterstützung durch Fachleute wie Psychologen und Sozialpädagogen.

4. Schulamokläufe erwachsen aus ähnlichen Ursachen wie die Gewaltkriminalität außerhalb der Schule. Daher können kriminologische Konzepte der Gewaltprävention auf die Schule übertragen werden.
Nach der Überzeugung von Kriminologen entsteht Kriminalität häufig durch zwei Faktoren:
Durch fehlende Einbindung und damit aus dem Fehlen von Gefühlen der Verpflichtung gegenüber anderen sowie aus einem Mangel an Möglichkeiten, Lebenssituationen zu kontrollieren, also aus Erfahrungen der Ohmacht und Unterlegenheit (T. Hirschi/R. Tittle).
Gewaltprävention hat es daher auch an Schulen mit zwei grundsätzlichen Aufgaben zu tun: die Schüler sollten innerhalb der Schulgemeinschaft Bindungen aufbauen können. Sie sollten dadurch innere Verpflichtungen gegenüber anderen erfahren. Darüber hinaus sollte den Schülern ein hohes Maß an Mit- und Selbstbestimmung zugestanden werden, damit sie das Schulleben so weit wie möglich als einen von ihnen selbst gesteuerten Prozess erleben.
Werden die Erkenntnisse der Kriminologie auf die Schule übertragen, so sollte also dem Beziehungsgeschehen in der Schule eine weit größer Aufmerksamkeit gewidmet werden als bisher (Joachim Bauer). Zudem sprechen die Erkenntnisse der Kriminologie dafür, junge Menschen vor der Erfahrung des Ausgeliefertseins und der Ohnmacht zu schützen. Das scheint am besten in einer in hohem Maße schülerzentrierten, kooperativen und demokratischen Schule gewährleistet zu sein. Sie erlaubt es den Schülern, ihre Beziehungen in der Schule und ihre Lernprozesse so weit wie möglich selbst zu kontrollieren.

5. Gewaltfreie Schulen weisen in die Richtung demokratischer Schulmodelle, wie sie schon lange innerhalb der demokratischen Reformpädagogik praktiziert werden.
Demokratische Schulen stehen eher in angelsächsischer Tradition (John Dewey) als derjenigen der deutschen Reformpädagogik. Sie verstehen sich als Schulen der Demokratie nach den Grundsätzen des „Selfgovernment“.
Solche Schulen
• sehen Kommunikation, gute Beziehungen und Verständigung als Basis ihrer Pädagogik an,
• betrachten das Schulleben als ein gemeinsames Projekt,
• sind lernende Schulen mit offenen Zielen,
• richten sich auf ein gemeinsam zu ermittelndes Wertekonzept im Rahmen der Menschenrechte,
• unterliegen der öffentlichen Kontrolle von Eltern, Schülern, Lehrern sowie der Beteiligten der Schulumwelt.

So ist soziales Lernen in das Konzept einer demokratischen Schule auf allen Ebenen eingebaut. Soziales Lernen wird als „gewaltfreie Kommunikation“ (M. B. Rosenberg) täglich eingeübt. Das Lernen selbst ist nicht auf Auslese ausgerichtet, sondern auf Förderung. Es vollzieht sich sowohl individualisiert als auch im Hinblick auf gemeinsames Projektlernen. Gewaltprävention ist insofern bereits in die Grundsstruktur einer demokratischen Schule integriert. Es wird nicht erst zur Reparatur der durch die Schule selbst stimulierten und verstärkten Gewaltneigung von Jugendlichen nachträglich aufgepfropft.

Literatur:
Frank J. Robertz, Ruben Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Amoklauf und schwere Gewalt in der Schule, Heidelberg 2007 (enthält neben guten Analysen umsetzbare Anleitungen zur Gewalt- und Amokprävention an Schulen).
Hans-Peter Waldrich: In blinder Wut. Amok und die Verantwortung der Schulen, 2. Aufl., Köln 2010

Ein Beitrag von Dr. Hans-Peter Waldrich
Landesvorsitzender der Aktion Humane Schule Baden-Württemberg e.V. 

download-pdf- Thesen zur Gewaltprävention

 


offener Brief an Frau Bundeskanzlerin Merkel, Frau Bundesbildungsministerin Schavan sowie an die Kultusminister vom Nov. 2009, PDF von Rita Mülfarth aus Illingen

 

Der offene Brief und das Antwortschreiben sin mit der Umstellung auf die neue Homepage leider nicht mehr verfügbar!



Leserbrief WKZ zu "Neue Schulmodelle gefordert" vom 31. Juli 2009

In Winnenden beging ein Schüler Selbstmord und nahm 15 Menschen mit in den Tod. Und Herr Rau, unser Kultusminister, hält immer noch am CDU-"Geländer" für Schulen fest. Auslese nach sozialen Gesichtspunkten und nach Behinderung. Viele Menschen unterstützen ihn immer noch. – Sie auch?
Wenn in Schweden ein Kind das Abitur erreichen will, dann bekommt es von seinen Lehrern so viel Unterstützung, dass es sein Ziel erreicht.
Wenn ein Kind in unserem Schulsystem Schwächen zeigt, dann ist seine Meinung nicht gefragt, es ist dann eben nicht auf der richtigen Schule und muss im schlimmsten Fall seine Schulkameraden, seine Klassse, die Schule verlassen – wie der "Geiselnehmer" von WN-Neustadt, der in der Zwischenzeit auch durch Selbstmord starb.
In diesem (Ein-)Bildungssystem geht es nicht um die besten Lösungen in einer komplexen Welt, sondern um Statussymbole, Erhalt von Pfründen und Konkurrenz um den zukünftigen Arbeitsplatz. – Und das schon in der Grundschule!
"Nach Ausschwitz hätten wir andere Schulen gebraucht", sagte Peter Paulig. – Und nach Winnenden?
Wer in Zeiten knapper Arbeitsplätze die Konkurrenz ab dem Grundschulalter schürt und die Solidarität verringert, nimmt bewusst oder unbewusst die Folgen von Hass und Verzweiflung in Kauf.
Eine kinderarme Gesellschaft braucht Schulen, in denen Kinder ihre Verschiedenartigkeit als Bereicherung erleben, wo Wohlwollen und Vertrauen täglich gelebt werden, wo Leistungsschwäche nicht zum Ausschluss führt. – Und das geht in einem vielgliedrigen Schulsystem nicht!

Arbeitskreis Stuttgart
Kontaktadresse: Helga Hohmann
Brühlstr. 19
71404 Korb
Tel.: 07151/606534


 

Am 19. März 2009 wurde unter Federführung der Aktion Humane Schule e.V. und

Schule mit Zukunft e.V. ein offener Brief an alle Kultusministerien veröffentlicht. Darin wurde u.a. gefordert, e

ndlich die Schulen menschlicher zu gestalten, da dies die beste Prävention gegen Schulamokläufe wäre. Hierzu erhielten wir ein Antwortschreiben des baden-württembergischen Staatsministeriums für Schule, Jugend und Sport.

Der offene Brief und das Antwortschreiben sin mit der Umstellung auf die neue Homepage leider nicht mehr verfügbar!

 



Kein Kind zurücklassen!

Die große Traueranzeige für die Opfer des 11. März 2009 des Landes Baden-Württemberg in den Tageszeitungen stimmte sicher nicht nur mich traurig. Die lange Liste der Opfer versetzt einen Stich und lässt mittrauern. Diese schreckliche Tat möchte sicher jeder ungeschehen machen.
Doch ein Stück Trauer sollte auch Tim gelten. Was hat ihn zu solch einer schrecklichen Tat geführt? Dass ein Jugendlicher zu dieser Tat fähig ist, hat ja sicher eine Vorgeschichte. Wo wurde er zurückgelassen und nicht mehr aufgefangen? Dieser Frage muss nun die Aufmerksamkeit gelten, sie muss zur Verhinderung zukünftiger schrecklicher Taten herangezogen werden.
Und um in Zukunft solche Unglücke zu verhindern, helfen keine Einlasskontrollen an Schulen oder Verschärfungen des Waffengesetzes. Hier helfen nur
• Aufmerksamkeit, Sensibilität und Liebe, Geduld, Zeit für unsere Kinder von seiten der Familie wie auch der Umgebung;
• weniger Druck und Konkurrenzdenken;
• die Schule als ein Ort, an dem sich Kinder gerne treffen und gemeinsam lernen, spielen und Freude haben;
• geduldige, einfühlsame Lehrkräfte als Vertrauenspersonen für unsere Kinder.
Es darf kein Kind zurückgelassen werden, jedes Kind soll den Mut haben können, sich mit Problemen an eine Person seines Vertrauens zu wenden, die Kinder (Menschen allgemein) sollen einander annehmen, sich achten, die Stärkeren sollen den Schwächeren helfen, um auch diese stark zu machen.
Dies und noch viel mehr sollte Selbstverständlichkeit sein.
Denn es stimmt mich unendlich nachdenklich und traurig, dass vielleicht noch mehr Kinder und Jugendliche in einer verzweifelten Lage sind, in der ihnen keiner mehr helfen kann oder will. In einer Lage, die die Gefahr in sich birgt, auch in einer solch schrecklichen Tat zu enden.

Sabine Hergesell
Aktion Humane Schule Baden-Württemberg


 

Wir helfen uns gegenseitig
Schülerinnen und Schüler praktizieren (Nach-)Hilfe im Unterricht

Mit zehn Argumenten fasse ich hilfreiche Erfahrungen aus einem förderorientierten Unterricht zusammen: Die Kinder und Jugendlichen lernen, sich selbst und gegenseitig beim Lernen zu helfen. Die zehn Elemente sind zur Veranschaulichung direkt aus der Schülerperspektive formuliert.

  1 • Bevor wir anfangen zu arbeiten, lesen wir uns die Aufgabe zweimal selbst vor und vergewissern uns, ob wir sie verstanden haben. Wir können auch Selbstgespräche führen, in dem wir z. B. sagen "ich will das und das tun, dafür muss ich zuerst ...". Damit stellen wir uns die Arbeitsschritte vor.

  2 • Wenn wir nicht sicher sind, ob wir die Aufgabe verstanden haben, müssen wir das vorher mit einem anderen Schüler besprechen.

  3 • Wir arbeiten dann möglichst ohne Hilfe der Lehrerin. Bevor wir sie fragen, versuchen wir uns selbst zu helfen, dann helfen wir uns gegenseitig. Deshalb können alle in der Klasse Helfer sein.

  4 • Wenn wir Probleme beim Arbeiten haben, fragen wir uns, woran das liegen kann, was wir uns vorgenommen haben und wie wir vorgegangen sind.

  5 • Erst wenn das nicht hilft, erklären wir unserem Partner die Schwierigkeiten, um mit seiner Hilfe weiterzukommen. Das machen wir genauso beim Überprüfen und Vergleichen der Arbeitsergebnisse. Wir nennen das Partnerkontrolle.

  6 • Wenn wir bei einem Lernproblem mit dem Partner nicht weiterkommen, sprechen wir mit unseren Experten oder Lernchefs in der Klasse. Wir wissen genau, wer für welche Bereiche zuständig ist. Erst wenn das auch nicht klappt, fragen wir den Lehrer oder die Lehrerin.

  7 • Bei der Beratung mit unseren Lernchefs oder dem Lehrer versuchen wir herauszufinden, wo das Problem liegt, wie es zu lösen ist und wie man das besser machen kann.

  8 • Diese Lernschwierigkeit tragen wir in unserem Lerntagebuch ein, aber natürlich auch das, was wir schon können. Außerdem reden wir in der Klasse über unsere Ergebnisse und über das, was uns weitergebracht hat.

  9 • Das Lerntagebuch besprechen wir mit dem Lehrer, wenn es gerade passt. Dann wird vereinbart, wie und wann wir an welchen Schwierigkeiten arbeiten. Zu bestimmten Zeiten üben Schüler mit ähnlichen Problemen in Tischgruppen zusammen und helfen sich.

10 • Nach ungefähr einem halben Jahr werden die Lernfortschritte mit dem Lehrer besprochen. Dafür haben wir das Lerntagebuch und einen Förderplan des Lehrers. Natürlich werden die Lernprobleme auch mit allen zusammen in der Klasse diskutiert. Dabei geben wir Lerntipps und Lernhilfen weiter.

Wulf Wallrabenstein

...aus dem aktuellen Heft der "Humanen Schule" april 2006.



PISA – und die Folgen?

"Bin ich gut, Frau Maier?" "War ich schlecht, Papa?" Solche Kinderfragen hören Lehrer/innen und Eltern häufig dann, wenn die ersten Schulnoten Einzug in das bislang vom Zwang ständigen Beurteiltwerdens unbeschwerte Kinderleben halten. Das Notendrama beginnt hierzulande spätestens am Ende der 2. Klasse - und nimmt in den folgenden Schülerjahren nicht selten seinen verhängnisvollen Lauf.
Von Glück können die reden, die bei den Zensurenverteilungsprozeduren auf der Sonnenseite stehen. "Ich habe nur 1er und 2er - ich bin gut, gell?" Doch wehe, wenn’s nicht so gut läuft, wenn 4er, 5er oder gar 6er trotz höchster Anstrengung und größtem Fleiß an der Tagesordnung sind! "Ich bin schlecht" ist die traurige Bilanz vieler Kinder bereits nach wenigen Monaten oder Jahren in der Institution Schule. Vom ersten Schultag an bekommen zu viele Kinder immer noch das Gefühl vermittelt, sie seien "nicht gut genug".
Man braucht kein Psychotherapeut zu sein um zu erahnen, welche verheerenden Folgen es für das Selbstvertrauen, das Selbstwertgefühl und den späteren Lebensweg eines Kindes haben kann, wenn es über Jahre hinweg immer wieder die Botschaft bekommt, "nicht gut genug" zu sein. Und so drängt sich die Frage auf, wer da eigentlich nicht gut genug ist: das Kind für die Schule - oder das System Schule für das Kind?
Nicht zuletzt die neueste PISA-Studie spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache: Im (sozial ungerechten) Selektieren durch Ziffernnoten sind wir einsame Spitze, wobei der Lernerfolg deutscher Schüler im Lesen, Schreiben und Rechnen (allem Notendruck zum Trotz) weiterhin stark zu wünschen übrig lässt.
Da helfen auch gut gemeinte neue Bildungspläne, die dem Grundtenor nach durchaus verheißungsvolle Möglichkeiten pädagogischer Gestaltung eröffnen, wenig. Solange die Schule nicht von den Grundübeln der pädagogisch fragwürdigen Leistungsbeurtei-lung durch Ziffernnoten, dem unseligen Konkurrenzprinzip und der frühen Verteilung auf die drei weiterführenden Schularten befreit ist, werden wir bei PISA im unteren Bereich angesiedelt bleiben. Wie sonst ließe es sich erklären, dass ein Land wie Finnland, wo die Kinder 9 Jahre lang gemeinsam lernen und erst ab Klasse 7 obligatorisch Noten bekommen, unbestrittener PISA-Sieger ist?
Es gibt viel zu tun im deutschen Schulsystem – und auf dem Weg zu einer humanen Schule ist ein grundlegendes Umdenken dringend notwendig. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben - auch und gerade im Bildungswesen. Die Kinder sind unsere Zukunft. Es gilt, sie zu stärken und für eine Welt fit zu machen, die große Herausforderungen an uns alle stellt. Dies wird uns nur gelingen, wenn alle Kinder in der Schule die Erfahrung machen dürfen, dass sie "gut genug" sind, ihren Beitrag zum Ganzen zu leisten.

Dipl.-Päd. Annette Pfisterer
Aktion Humane Schule Baden-Württemberg

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